18.09.2025
Das Team der Strahlentherapie rund um Chefarzt MUDr. Attila Salay feierte das fünfzigjährige Bestehen dieser wichtigen Abteilung des Christlichen Klinikums Paderborn (CKP) mit vielen Gästen.
„Wenn es um Strahlentherapie geht, geistern
manchmal Bilder von riesigen Maschinen, schlimmen Nebenwirkungen und
beängstigender Ungewissheit in den Köpfen herum“, sagt MUDr. Attila Salay,
Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie.
Die moderne Strahlentherapie sei mit solchen
Szenarien nicht mehr zu vergleichen: „Dank medizinischer und technischer
Fortschritte ist sie gezielter, verträglicher und wirkungsvoller geworden. Die
Strahlentherapie rettet Leben.“
Seit
vielen Jahrzehnten ist die Strahlentherapie nach der Chirurgie eine tragende
Säule bei der Behandlung von bösartigen Tumoren. Die Strahlentherapie
verhindert das Nachwachsen eines Tumors nach einer Operation, sie kann einen
Tumor vor einem Eingriff verkleinern und sie wird als alleinige
Behandlungsmethode eingesetzt.
Einer der Redner der Festveranstaltung ist Dr.
Horst Leber, der Vorgänger von Salay, der die Strahlentherapie zwischen 1996
und Ende 2017 als Chefarzt an der Betriebsstätte Husener Straße leitete: „In
den 1970er bis 1990er Jahren war die Strahlentherapie ein vergleichsweise
grobes Werkzeug. Ärzte konnten Tumore zwar bestrahlen, doch die Technik war bei
weitem nicht so präzise. Auch gesundes Gewebe wurde in Mitleidenschaft
gezogen.“
Heute ermöglichen moderne bildgebende Verfahren wie
Computertomographie, Magnetresonanztherapie und Positronen-Emissions-Therapie
eine millimetergenaue Ortung des Tumors. Speziell ausgebildete Ärztinnen,
Physikerinnen und Medizinische Technologinnen sorgen im CKP dafür, dass der
ohnehin belastete Patient durch exakt ausgearbeitete Bestrahlungspläne
möglichst geschont wird.
„Jeder Tumor ist anders“, erklärt Salay, „und
ebenso unterschiedlich sind die Menschen, die davon betroffen sind. Unsere
modernen Therapieverfahren berücksichtigen Tumorart, Lage, Größe, Streuung und
Begleiterkrankungen.“
Die
Klinik für Strahlentherapie an der Betriebsstätte Brüderkrankenhaus St. Josef
ist ein wichtiger Bestandteil des Onkologischen Zentrums. Sämtliche solide
Tumore einschließlich maligner Lymphome werden hier bestrahlt. Ein besonderer
Schwerpunkt liegt auf der Radiochemotherapie. Salay: „Bei dieser Behandlungsmethode werden Strahlentherapie und Chemotherapie
kombiniert. Sie greift Tumore gleichzeitig von verschiedenen Seiten an.“
Eingesetzt werde diese Form der Therapie häufig bei Tumoren des Kopf- und
Hals-Bereichs, außerdem bei Speiseröhren- oder Darmkrebs.
Die enge Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen ist
für das Team der Strahlentherapie tägliche Routine. Ein Meilenstein der
fächerübergreifenden Kooperation wurde erreicht, als vor 20 Jahren die Klinik für Onkologie und
Hämatologie ihre Arbeit aufnahm. Heute treffen sich Vertreter aller an der
Behandlung von Krebspatientinnen beteiligten Disziplinen in der Tumorkonferenz.
Die Rückmeldung
über Krankheitsverläufe haben einen hohen Nutzen für die Patienten.
In
den vergangenen Jahrzehnten ist das Team der Klinik für Strahlentherapie
kontinuierlich gewachsen. MUDr. Attila Salay arbeitet mit drei Oberärztinnen
zusammen, hinzu kommen eine Fachärztin und eine Assistenzärztin, 15 Medizinische Technologinnen, acht Mitarbeiterinnen aus
Sekretariat und Ambulanz sowie ein Team von sechs Medizinphysikerinnen.
Die Medizinphysikerinnen überwachen die Technik und berechnen
Bestrahlungspläne.
Salay
betont bei der Feier: „Patienten können durch die enorme
Entwicklung und Verbesserung der Strahlentherapie zuversichtlicher in die
Therapie gehen. Die Zeiten, in denen die Strahlentherapie ein Schreckgespenst
war, sind vorbei.“
Fakten
Die Klinik
für Strahlentherapie des Christlichen Klinikums Paderborn am Standort
Brüderkrankenhaus St. Josef ist mit zwei hochmodernen Linearbeschleunigern
ausgestattet. Das neueste Gerät wurde vor einem halben Jahr in Betrieb
genommen. Pia Wolf, Leitende Physikerin, erklärt: „Die Beschleuniger bestrahlen
die Tumorregion hochpräzise. Eine Kontrolle der Bestrahlung ist jederzeit durch
das integrierte CT möglich.“
Noch eine Neuerung hat das CKP vor einem Jahr
getätigt: Die so genannte Oberflächengestützte Bestrahlung (SGRT) bietet die
Möglichkeit, die Patientenoberfläche während des Bestrahlens zu scannen und
damit die Lagerung des Patienten zu kontrollieren. Kommt es zu großen
Diskrepanzen, stoppt das Gerät automatisch, bis der Patient wieder in der
richtigen Position liegt. Mit diesem System ist es möglich, die Patienten
markierungsfrei zu bestrahlen. „Das ist ein großer Benefit für die Patienten“,
so Wolf.
Das Christliche Klinikum Paderborn
ist die einzige Strahlentherapie in Ostwestfalen-Lippe, die diese innovative
Technologie anbietet. Als ein von der Deutschen Krebsgesellschaft
zertifiziertes Onkologisches Zentrum sei das CKP der Sicherheit und dem Komfort
für die Patienten verpflichtet, so Geschäftsführer Siegfried Rörig. Das CKP hat
die knapp eine Million Euro teure Anschaffung aus Eigenmitteln finanziert.
Neben den vielen technischen Neuerungen, die das
CKP in den vergangenen Jahren getätigt hat, arbeitet das Team der
Strahlentherapie um Chefarzt MUDr. Salay daran, den Behandlungsablauf mit einer
abteilungseigenen, digitalen Patientenakte zu optimieren. „Durch die
Digitalisierung werden die Behandlungspläne transparent. Die Kommunikation mit
an der Behandlung beteiligten Kolleginnen wird schneller“, bekräftigt Salay.
