12.07.2018
Sanfte Entfernung von Polypen und Tumoren aus der Dickdarmwand

Dank eines endoskopischen Eingriffs bleibt Patienten mit Geschwülsten oder kleineren Tumoren an der Dickdarmwand eine größere Operation mit Hautschnitt erspart. Dr. med. Ulrich Pannewick hat das Verfahren am Brüderkrankenhaus St. Josef etabliert und damit das Leistungsspektrum des zertifizierten Darmkrebszentrums erweitert.
Bei der sogenannten endoskopischen
Vollwandresektion wird das betroffene Stück der Darmwand komplett mit dem
Endsokop entfernt und die Stelle wieder "versiegelt". Im Prinzip läuft das
Verfahren für den Patienten wie bei einer Darmspiegelung ab. Allerdings sitzt auf dem Endoskop eine
durchsichtige Kappe, in die eine Schlinge und eine Greifkralle integriert sind.
FTRD ("Full THickness Resection Device")
heißt das System. Der Gastroenterologe grenzt zunächst die betroffene Stelle an
der Darmwand mit einer Markierung ein. Nun zieht er mit dem Greifer die Läsion
in die Kappe des Endoskops ein. Im nächsten Schritt umgreift er die Läsion mit einem
speziellen Clip und trägt dann mit einer Schlinge den Polypen oder Tumor mithilfe eines elektrischen Impulses ab, der
gleichzeitig die Blutung sofort stillt. Pannewick: "Das Verfahren verlangt
äußerstes Geschick und kann nur von sehr erfahrenen, speziell geschulten
Gastroenterologen durchgeführt werden." Am Brüderkrankenhaus St. Josef führen
außer ihm auch noch zwei weitere Oberärzte FTRD-Eingriffe durch. In Deutschland
ist das Verfahren seit vier Jahren im Einsatz, im Brüderkrankenhaus wurde
bereits 2015 der erste Eingriff durchgeführt, so dass die Klinik für
Gastroenterologie mittlerweile über eine große Expertise auf dem Gebiet
verfügt.
Pro Jahr werden in der Klinik für
Gastroenterologie am Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn über 6000
endoskopische Eingriffe durchgeführt.
Das Verfahren eignet sich allerdings nur bei
kleineren Tumoren oder Geschwülsten von einer Größe bis zu drei Zentimetern.
Theoretisch wäre das Verfahren auch am Dünndarm oder Magen möglich, zugelassen
ist es in Deutschland im Moment allerdings nur für den Dickdarm. Pannewick: "Wir
hoffen, dass sich dies ändern wird, damit wir in Zukunft noch mehr Patienten
eine aufwendigere Operation mit Hautschnitten ersparen können." Das
Brüderkrankenhaus St. Josef Paderborn ist als Darmkrebszentrum bei der
Deutschen Krebsgesellschaft zertifiziert und bietet neben der Diagnostik und
den chirurgischen, radiologischen, strahlen- und chemotherapeutischen
Behandlungsmöglichkeiten auch psychoonkologische und palliativmedizinische
Angebote. Doch bei entsprechender Vorsorge müsse es erst gar nicht so weit
kommen, urteilt Pannewick: "Darmkrebs gehört zu den Krebsarten mit den besten
Heilungschancen, besonders bei frühzeitiger Erkennung. Gehen Sie zur Vorsorge."


